Multiversum
Multiversum bezeichnet die hypothetische Gesamtheit aller existierenden Universen, von denen unser beobachtbares Universum nur eines wäre. Der Begriff vereint verschiedene theoretische Konzepte aus Kosmologie und Quantenphysik, die aus unterschiedlichen Ansätzen heraus die Existenz weiterer Universen nahelegen.
In der Kosmologie ergibt sich ein mögliches Multiversum aus der Theorie der ewigen chaotischen Inflation: Wenn nach dem Urknall die kosmische Inflationsphase nicht überall gleichzeitig endete, könnten aus verschiedenen Blasen eigenständige Universen mit möglicherweise unterschiedlichen Naturkonstanten entstanden sein. Ein weiteres Modell stammt aus der Quantenmechanik, konkret aus der Viele-Welten-Interpretation von Hugh Everett: Jede quantenmechanische Messung verzweigt demnach das Universum in alle möglichen Ergebnisse.
Das Multiversum ist wissenschaftlich umstritten, weil bisher keine Möglichkeit bekannt ist, Vorhersagen darüber zu machen, die empirisch prüfbar wären. Kritiker sehen es daher nicht als Bestandteil der Wissenschaft, sondern der Metaphysik. Befürworter argumentieren, dass das Multiversum als notwendige Konsequenz gut bestätigter Theorien folgt. Die Anthropische Principle-Diskussion - warum unsere Naturkonstanten so präzise auf Leben zugeschnitten sind - findet im Multiversum eine mögliche Erklärung: In einem Ensemble unzähliger Universen existieren wir zwangsläufig in einem, das Leben erlaubt.