Proplyden
Proplyden bezeichnet protoplanetare Scheiben um junge Sterne, die durch intensive Strahlung naher massereicher Sterne von außen ionisiert und abgetragen werden. Der Begriff ist eine Kurzform des englischen Ausdrucks “protoplanetary disk”. Proplyden wurden vor allem im Orionnebel (M42) mit dem Hubble-Weltraumteleskop eindrucksvoll aufgenommen und sind auf diesen Bildern als kleine, kometenförmige oder runde Strukturen erkennbar, die von glühenden Gashüllen umgeben sind.
Die Entstehung von Proplyden ist eng an dichte Sternentstehungsgebiete wie den Orionnebel geknüpft: Dort bilden sich hunderte junger Sterne gleichzeitig. Die sehr heißen und leuchtkräftigen O- und B-Sterne in der Mitte dieser Regionen senden ultraviolette Strahlung aus, die die umgebenden protoplanetaren Scheiben ihrer Nachbarsterne von außen ionisiert. Das Ergebnis ist ein Photoevaporationsprozess, bei dem die äußeren Schichten der Scheibe verdampfen und als heller Ionisierungsfront sichtbar werden.
Dieser Prozess hat erhebliche Konsequenzen für die Planetenbildung: Wenn die protoplanetare Scheibe zu schnell abgetragen wird, bleibt weniger Material für die Akkumulation von Planeten. Im Orionnebel liegt der Großteil der bekannten Proplyden in etwa 0,1 bis 0,5 Lichtjahren Abstand vom Trapezium-Cluster, dem Zentrum der heißen Sterne. Proplyden geben Astronomen wichtige Einblicke in die Frühphase der Planetenbildung und die Einflüsse der stellaren Umgebung auf diesen Prozess.