Vielwelten-Interpretation

kosmosastrophysik

Vielwelten-Interpretation bezeichnet eine Deutung der Quantenmechanik, die 1957 von Hugh Everett III vorgeschlagen wurde. Sie besagt, dass bei jedem quantenmechanischen Messprozess alle möglichen Ergebnisse gleichzeitig realisiert werden, jedoch in voneinander abgezweigten, nicht kommunizierenden Ästen der Wellenfunktion - also in verschiedenen “Welten”.

In der Standardquantenmechanik kollabiert die Wellenfunktion bei einer Messung auf einen bestimmten Zustand. Everett lehnte diesen Kollaps als unphysikalisches Postulat ab und postulierte stattdessen, dass die gesamte Wellenfunktion des Universums ohne Kollaps weiterexistiert. Jede mögliche Messoption zweigt in einen eigenen Ast ab, der für Beobachter im anderen Ast nicht zugänglich ist. Aus Sicht des jeweiligen Beobachters erscheint nur ein Ergebnis, was den Anschein eines Kollapses erzeugt.

Astronomisch und kosmologisch relevant wird diese Deutung im Kontext der inflationären Kosmologie: Manche Modelle legen nahe, dass Quantenfluktuationen im frühen Universum in der Vielwelten-Interpretation tatsächlich alle möglichen Anfangsbedingungen realisieren, was zu einer unendlichen Zahl verschiedener Universa führt. Die Vielwelten-Interpretation ist unter Physikern umstritten. Sie vermeidet das Messproblem, erfordert aber eine enorme ontologische Last durch unzählige unbeobachtbare Parallelrealitäten. Sie bleibt eine der einflussreichsten, aber auch herausforderndsten Interpretationen der modernen Physik.