Mikroquasar
Mikroquasar bezeichnet ein Röntgendoppelsternsystem innerhalb unserer Galaxie, das in verkleinertem Maßstab die gleichen physikalischen Prozesse zeigt wie die weit entfernten Quasare: ein kompaktes Objekt (schwarzes Loch oder Neutronenstern) akkretiert Materie von einem Begleitstern und schleudert dabei kollimierte, relativistische Plasmajets aus.
Der Name drückt die strukturelle Ähnlichkeit zu Quasaren aus, obwohl Mikroquasare wesentlich kleiner und schwächer sind. Während aktive Galaxienkerne schwarze Löcher mit Millionen bis Milliarden Sonnenmassen beherbergen, besitzen die kompakten Objekte in Mikroquasaren typischerweise nur wenige Sonnenmassen. Die Jets können dennoch nahezu Lichtgeschwindigkeit erreichen, was als superluminale Scheinbewegung beobachtbar ist, wenn die Jets schräg zur Sichtlinie ausgerichtet sind.
Mikroquasare sind bedeutsam für die Astrophysik, weil sie als natürliche Laboratorien dienen: Da sie in unserer eigenen Galaxie liegen, sind sie deutlich besser auflösbar und beobachtbar als ferne Quasare. Vorgänge, die in Quasaren Millionen Jahre dauern, können in Mikroquasaren innerhalb von Tagen bis Wochen abgeschlossen sein. Ein bekanntes Beispiel ist SS 433, ein Röntgendoppelsternsystem rund 18.000 Lichtjahre entfernt, das zwei gegenläufige Jets mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Viertel der Lichtgeschwindigkeit produziert.