Bessel-Jahr
Das Bessel-Jahr bezeichnet eine Zeiteinheit, die in der historischen Astronomie zur Festlegung von Koordinaten-Epochen verwendet wurde. Es ist benannt nach dem deutschen Astronomen Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) und definiert als der Zeitraum, in dem die mittlere Sonne eine vollständige Runde durch die ekliptikale Länge zurücklegt - gemessen vom Frühlingspunkt. Seine Länge beträgt rund 365,2422 mittlere Sonnentage und entspricht damit dem tropischen Jahr.
Der Startpunkt eines Bessel-Jahres liegt nicht am 1. Januar, sondern am Tag, an dem die mittlere Sonne eine ekliptikale Länge von genau 280° erreicht - in der Praxis fällt dies auf den 0. Januar, also den 31. Dezember, in der Nähe von 22 Uhr UT. Dadurch beginnt das Bessel-Jahr stets wenige Stunden vor dem bürgerlichen Jahreswechsel.
In der Astronomie spielte das Bessel-Jahr lange eine zentrale Rolle bei der Angabe von Stern-Koordinatenepochem. So bezeichnet etwa „B1950.0” die Epoche des Bessel-Jahres, das am 0. Januar 1950 um rund 22 Uhr UT beginnt. Seit 1984 wurde das Bessel-Jahr im Rahmen der Standardisierung durch das Julianische Jahr und die Epoche J2000.0 abgelöst, die am 1,5. Januar 2000 (12:00 TT) beginnt und heute international verwendet wird.