Tychonisches Weltsystem
Tychonisches Weltsystem bezeichnet ein astronomisches Weltmodell, das der dänische Astronom Tycho Brahe um 1588 als Kompromiss zwischen dem geozentrischen Ptolemäus-System und dem heliozentrischen Kopernikus-System entwickelte. Im tychonischen Modell steht die Erde unbeweglich im Mittelpunkt des Universums, Sonne und Mond kreisen um die Erde, alle anderen Planeten jedoch kreisen um die Sonne.
Das Modell war mathematisch äquivalent zum kopernikanischen Heliozentrik, vermied aber den damals theologisch und physikalisch problematischen Gedanken einer sich bewegenden Erde. Tycho Brahe war der herausragendste Beobachtungsastronom seiner Epoche und sammelte mit bloßem Auge - das Teleskop wurde erst nach seinem Tod 1601 erfunden - präzisere Daten als je zuvor. Sein Assistent Johannes Kepler nutzte nach Tychos Tod dessen genaue Planetenbeobachtungen, um die drei Keplerschen Gesetze der Planetenbewegung zu formulieren.
Das tychonische System wurde vor allem in der Frühphase nach Kopernikus von Teilen der Kirche und von Astronomen bevorzugt, die das Heliozentrik zwar mathematisch überzeugend fanden, aber an der Unbeweglichkeit der Erde festhalten wollten. Im Laufe des 17. Jahrhunderts setzte sich das heliozentrische Modell durch, gestützt durch Galileis Teleskopbeobachtungen und Newtons Gravitationstheorie.