Vordergrundstern
Vordergrundstern bezeichnet einen Stern, der sich auf der Sichtlinie zwischen dem Beobachter und einem weiter entfernten astronomischen Objekt befindet und dadurch optisch vor diesem Objekt erscheint, ohne physikalisch mit ihm in Beziehung zu stehen.
Das Konzept ist in der Astronomie von zentraler Bedeutung, da der Nachthimmel eine zweidimensionale Projektion einer dreidimensionalen Sternenverteilung ist. Zwei Sterne, die am Himmel eng beieinanderstehen, können in Wirklichkeit viele Lichtjahre oder gar Hunderte Lichtjahre voneinander entfernt sein - ein Effekt, der als optische Doppelsterntäuschung bekannt ist und systematisch von echten, gravitativ gebundenen Doppelsternsystemen unterschieden werden muss.
Vordergrundsterne stellen in der beobachtenden Astronomie oft eine Herausforderung dar. Bei der Photometrie von Galaxien oder Kugelsternhaufen überlagern sie das zu untersuchende Objekt. Bei der Suche nach Exoplaneten können Vordergrundsterne Transitsignale verfälschen. Gleichzeitig werden Vordergrundsterne gezielt als Werkzeug genutzt: Beim Gravitationslinseneffekt lenkt ein massereicher Vordergrundstern das Licht eines dahinterliegenden Quellsterns ab, was zur Entdeckung von Exoplaneten und zur Kartierung dunkler Materie genutzt wird. Die genaue Entfernungsbestimmung durch Parallaxenmessungen, wie sie etwa die Raumsonde Gaia durchführt, erlaubt es heute, Vordergrundsterne präzise von physikalisch assoziierten Objekten zu trennen.