Geozentrisch

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Geozentrisch bezeichnet ein Bezugssystem oder eine Weltanschauung, bei der die Erde im Mittelpunkt steht. In der Astronomie hat der Begriff heute eine präzise technische Bedeutung: Er kennzeichnet Koordinaten, Positionen oder Bahnen, die auf den Erdmittelpunkt als Ursprungspunkt bezogen sind.

Historisch war das geozentrische Weltbild das vorherrschende Modell des Kosmos. Ptolemäus systematisierte es um 150 n. Chr. in seinem Werk Almagest mit einem komplexen System aus Epizykeln und Deferenten, das die beobachteten Planetenbewegungen rechnerisch gut beschrieb. Erst Kopernikus (1543), Kepler und Galilei verdrängten dieses Modell durch das heliozentrische System.

Praktisch verwendet die moderne Astronomie geozentrische Koordinatensysteme weiterhin, weil viele Berechnungen für Beobachter auf der Erde damit einfacher werden. Das geozentrisch-äquatoriale Koordinatensystem mit Rektaszension und Deklination ist das Standardsystem für die Angabe von Sternpositionen und Planetenörtern am Himmel. Es nutzt den Erdmittelpunkt als Ursprung und die Erdäquatorebene als Grundebene.

Für Satellitenbahnen, Mondpositionen und erdnahe Objekte ist die geozentrische Angabe ebenfalls üblich. Im Gegensatz dazu werden Bahnen der Planeten um die Sonne heliozen trisch angegeben, mit dem Sonnenmittelpunkt als Bezugspunkt. Für das Sonnensystem als Ganzes nutzt man das baryzen trische System, dessen Ursprung im gemeinsamen Massenschwerpunkt aller Körper liegt.