Gezeitenkraft

grundlagensonnensystem

Gezeitenkraft bezeichnet den Differenzanteil der Gravitationskraft eines ausgedehnten Körpers, der dadurch entsteht, dass die Anziehung eines Himmelskörpers an verschiedenen Punkten des betrachteten Objekts unterschiedlich stark ist.

Der Mond zieht die erdnahe Seite unseres Planeten stärker an als das Erdinnere und die erdabgewandte Seite schwächer. Diese Differenz streckt die Erde leicht in Richtung Mond und erzeugt gleichzeitig auf beiden Seiten einen Wasserberg, erkennbar als Flut. Da die Erde unter diesen beiden Wasserbuckeln hindurchrotiert, erleben Küstenorte in etwa 12 Stunden zweimal Hochwasser. Der Anteil der Sonne an der Gezeitenwirkung beträgt etwa 46 Prozent des Mondanteils. Bei Neumond und Vollmond verstärken sich beide Wirkungen zur Springflut.

Gezeitenkräfte sind nicht auf Ozeane beschränkt. Felsige Himmelskörper verformen sich elastisch, Monde können durch die Gezeitenwirkung eines Planeten aufgeheizt werden. Ein eindrucksvolles Beispiel ist Jupiters Mond Io, dessen starke vulkanische Aktivität fast vollständig durch Gezeitenwärme angetrieben wird, die aus Jupiters enormer Gravitationskraft und der leicht exzentrischen Bahn Ios resultiert.

Im extremen Fall, nahe einem Schwarzen Loch oder Neutronenstern, können Gezeitenkräfte Materie vollständig zerreißen. Diesen Vorgang nennt man Spaghettiifizierung.