Gezeitenreibung

sonnensystemastrophysik

Gezeitenreibung bezeichnet den Energieverlust, der durch die Wechselwirkung der Gezeitenwülste eines Himmelskörpers mit seiner eigenen Rotation entsteht. Dieser Prozess bremst die Rotation des betroffenen Körpers ab und verändert gleichzeitig die Umlaufbahn des gezeitenverursachenden Partners.

Im System Erde-Mond läuft der Gezeitenwulst der Erde wegen der Erdrotation der Mondposition etwas voraus. Die Gravitation des Mondes zieht auf diesen Wulst zurück, bremst dadurch die Erdrotation und beschleunigt gleichzeitig den Mond in seiner Bahn. Das Resultat: Der Erdtag verlängert sich messbar - im Laufe von rund 100 Jahren um etwa 2 Millisekunden -, und der Mond entfernt sich von der Erde. Präzise Lasermessungen (Lunar Laser Ranging) bestätigen eine Entfernung des Mondes von rund 3,8 cm pro Jahr.

Langfristig führt Gezeitenreibung zur gebundenen Rotation, auch Synchronrotation genannt. In diesem Zustand zeigt ein Körper stets dieselbe Seite zu seinem Partner. Der Mond ist bereits in diesem Zustand - er dreht sich genau einmal pro Umlauf um die Erde und zeigt uns deshalb immer dieselbe Hemisphäre.

Gezeitenreibung wirkt auch im größeren Maßstab: Bei engen Doppelsternsystemen oder bei Monden nahe ihrem Planeten kann sie Bahnen kreisförmig machen und letztlich zur Verschmelzung führen.