Kronosphäre

sonnensystemastrophysik

Kronosphäre bezeichnet in der Astronomie eine veraltete bzw. seltener verwendete Bezeichnung für die Chromosphäre der Sonne - jene Schicht der Sonnenatmosphäre, die sich unmittelbar über der sichtbaren Oberfläche (Photosphäre) befindet und nach oben hin in die Korona übergeht. Der Begriff “Chromosphäre” ist die etablierte und fachlich gebräuchliche Bezeichnung; “Kronosphäre” ist hingegen kein anerkannter astronomischer Fachterminus und lässt sich nicht als belegtes historisches Synonym der Chromosphäre nachweisen. Seinem Wortstamm nach (von “Krone”, lateinisch corona) liegt der Ausdruck sprachlich ohnehin näher an der Korona als an der farbbenannten Chromosphäre (von griechisch chroma, “Farbe”).

Die Chromosphäre erstreckt sich von der Photosphäre aus über eine Höhe von etwa 2.000 bis 10.000 Kilometern. Ihre Temperatur steigt entgegen der intuitiven Erwartung mit zunehmender Entfernung von der Photosphäre an: von rund 4.400 K an der unteren Grenze bis auf etwa 20.000 bis 25.000 K an der oberen Grenze. Dieser Temperaturanstieg ist noch nicht vollständig verstanden und gilt als eines der offenen Probleme der Sonnenphysik.

Die Chromosphäre ist am deutlichsten während totaler Sonnenfinsternisse sichtbar, wenn die Photosphäre vom Mond verdeckt wird und ein rötlicher Ring um die Sonne erscheint - verursacht durch die Emission der roten H-alpha-Linie des Wasserstoffs bei 656 nm. Charakteristische Phänomene der Chromosphäre sind Spiculen (kurze, strahlenförmige Gasstrahlen) und Flares (energiereiche Ausbrüche), die Sonnenwind und kosmische Teilchenstrahlung in den interplanetaren Raum injizieren.