Lagrangepunkt
Lagrangepunkt bezeichnet einen von fünf speziellen Punkten im Raum, an denen ein kleines Objekt im Gravitationsfeld zweier großer Massen - etwa Sonne und Erde - eine stabile oder metastabile Gleichgewichtsposition einnehmen kann.
Die Punkte wurden im 18. Jahrhundert vom Mathematiker Joseph-Louis Lagrange berechnet. In einem Zwei-Körper-System gleichen sich an diesen Stellen Gravitations- und Zentrifugalkräfte so aus, dass ein drittes, leichtes Objekt relativ zu den beiden Hauptkörpern ortsfest bleibt.
Von den fünf Punkten (bezeichnet als L1 bis L5) sind L4 und L5 stabil: Objekte kehren nach kleinen Auslenkungen selbstständig zurück. L1, L2 und L3 sind dagegen instabil - ein Objekt driftet ohne Korrekturen langsam heraus. Im Sonne-Erde-System liegen L1 und L2 jeweils rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.
Lagrangepunkte haben große praktische Bedeutung für die Raumfahrt: Das Weltraumteleskop James Webb befindet sich am Punkt L2 des Sonne-Erde-Systems. Dort bleibt es stets auf der Nachtseite der Erde und hat optimale Bedingungen für Infrarot-Beobachtungen. An L4 und L5 des Sonne-Jupiter-Systems sammeln sich die sogenannten Trojaner-Asteroiden.