Luftunruhe
Luftunruhe bezeichnet die durch turbulente Schichten in der Erdatmosphäre verursachten Schwankungen der Lichtbrechung, die zu Unschärfe und Flimmern bei astronomischen Beobachtungen führen.
Wenn Licht von einem Stern die Atmosphäre durchquert, wird es durch Temperatur- und Dichteunterschiede in verschiedenen Luftschichten ständig minimal abgelenkt. Dies führt dazu, dass Sterne flimmern (Szintillation) und Planetenbilder im Okular unruhig zittern. Auf Fotos erscheinen feine Details unscharf, da sich das Bild während der Belichtungszeit geringfügig bewegt.
Das Maß für die Qualität des Seeings - dem englischen Fachausdruck für die atmosphärische Bildstabilität - ist der sogenannte Seeing-Wert, angegeben als Winkeldurchmesser der kleinsten noch trennbaren Strukturen in Bogensekunden. Unter sehr guten Bedingungen - etwa auf hohen Berggipfeln - werden Werte um 0,4 bis 0,7 Bogensekunden erreicht; an typischen Hobbybeobachtungsstandorten liegen sie oft zwischen 2 und 4 Bogensekunden.
Professionelle Observatorien begegnen der Luftunruhe mit adaptiver Optik: Verformbare Spiegel gleichen die atmosphärischen Verzerrungen in Echtzeit aus und nähern die Abbildungsqualität dem theoretischen Beugungslimit des Teleskops an. Für Hobbyastronomen gilt: Beobachtungen in Horizontnähe vermeiden, Aufwärmzeit für Teleskop und Okular einhalten und ruhige Nächte mit stabiler Großwetterlage bevorzugen.