Tidal-Kräfte
Tidal-Kräfte bezeichnen die Differenzkräfte, die entstehen, wenn die Gravitationswirkung eines Himmelskörpers auf verschiedene Teile eines anderen Körpers unterschiedlich stark ist. Da die Gravitation mit dem Abstandsquadrat abnimmt, wirkt sie auf die dem Verursacher zugewandte Seite eines ausgedehnten Körpers stärker als auf die abgewandte Seite. Diese Differenz erzeugt eine Verformung oder Zerrung.
Das bekannteste Beispiel sind die Gezeiten auf der Erde: Mond und Sonne erzeugen durch ihre Tidal-Kräfte die ozeanischen Gezeitenwellen. Der dem Mond zugewandte Teil der Erde wird stärker angezogen als der Erdmittelpunkt, der Erdmittelpunkt stärker als die Gegenseite - das Ergebnis sind zwei gegenüberliegende Wasserbeulen.
Tidal-Kräfte spielen auch bei der Entstehung von Meteoritenschauern und der Zerstörung von Kometen eine Rolle. Als der Komet Shoemaker-Levy 9 im Jahr 1994 Jupiter nahe passierte, zerrissen die Tidal-Kräfte ihn in über 20 Fragmente, die anschließend nacheinander in Jupiter einschlugen. An der sogenannten Roche-Grenze übersteigen die Tidal-Kräfte die Eigengravitation eines Körpers, sodass er sich nicht zusammenhalten kann - Saturns Ringe bestehen aus Material unterhalb dieser Grenze. Bei sehr kompakten Objekten wie Schwarzen Löchern können Tidal-Kräfte ganze Sterne zerreißen.