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Parallaktische Montierung einnorden: Polausrichtung Schritt für Schritt

· Redaktion Astronomie.info

Eine parallaktische Montierung muss so ausgerichtet sein, dass ihre Stundenachse möglichst parallel zur Erdachse verläuft. Diese Ausrichtung wird als Einnorden oder Polausrichtung bezeichnet. Sie ist die Grundlage dafür, dass sich ein Teleskop bei der Nachführung der scheinbaren Bewegung des Himmels passend mitdreht.

Eine sorgfältige Polausrichtung erleichtert die Beobachtung und ist besonders wichtig, wenn Himmelsobjekte über längere Zeit im Blickfeld bleiben sollen. Wie genau die Montierung ausgerichtet werden muss, hängt davon ab, was du beobachten möchtest. Die folgenden Schritte erklären das Grundprinzip und zeigen, wie du dabei vorgehst.

Was bedeutet es, eine Montierung einzunorden?

Die Erdachse verläuft durch den geografischen Nord- und Südpol. Weil sich die Erde um diese Achse dreht, scheinen Sterne und andere Himmelsobjekte über den Himmel zu wandern. Eine parallaktische Montierung gleicht diese Bewegung aus, indem sie sich um ihre Stundenachse dreht. Dafür muss diese Achse auf den Himmelspol ausgerichtet sein.

Der Himmelspol ist der Punkt am Himmel, auf den die Erdachse weist. Er liegt nahe beim Polarstern, aber nicht genau an dessen Position. Am Südhimmel gibt es keinen ähnlich auffälligen hellen Stern direkt am südlichen Himmelspol. Die geeignete Orientierung muss dort anhand von Sternmustern oder einer passenden Himmelskarte bestimmt werden.

Beim Einnorden werden vor allem zwei Richtungen eingestellt: die Höhe der Stundenachse über dem Horizont und ihre Ausrichtung nach Osten oder Westen. Die Höhe richtet sich nach dem Breitengrad des Beobachtungsorts. Die seitliche Ausrichtung bringt die Achse in die passende Himmelsrichtung.

Vorbereitung am Beobachtungsort

Stelle das Stativ auf einen festen Untergrund. Ein möglichst waagerechter Stand hilft dabei, die Montierung stabil einzurichten und die Einstellschrauben kontrolliert zu bedienen. Eine exakt waagerechte Stativbasis ersetzt jedoch nicht die Polausrichtung: Entscheidend ist die Richtung der Stundenachse.

Richte das Stativ zunächst grob nach Norden aus, wenn du dich auf der Nordhalbkugel befindest. Ein Kompass kann dabei eine Orientierung bieten, zeigt aber den magnetischen und nicht zwingend den geografischen Norden. Gebäude, Metallteile und andere Störquellen können die Anzeige ebenfalls beeinflussen. Nutze den Kompass daher nur für die grobe Ausrichtung und gleiche die Richtung später am Himmel ab.

Auf der Südhalbkugel richtest du die Montierung grob nach Süden. Prüfe vor Beginn, ob die Montierung für den Breitengrad des Standorts eingestellt werden kann und ob die Einstellschrauben genügend Spielraum haben. Das Teleskop muss für die Polausrichtung nicht zwingend montiert sein; falls es bereits angebracht ist, achte darauf, dass es sicher befestigt und ausbalanciert ist.

Montierung einnorden: Schritt für Schritt

1. Stativ und Montierung stabil aufstellen

Breite die Stativbeine sicher aus und kontrolliere, ob nichts wackelt oder einsinkt. Setze den Montierungskopf auf und befestige ihn entsprechend der Bauart. Das Stativ sollte während der folgenden Schritte nicht mehr verrutschen.

2. Stundenachse grob ausrichten

Drehe die Montierung so, dass die Stundenachse ungefähr nach Norden oder Süden zeigt. Auf der Nordhalbkugel kannst du dich zunächst am Polarstern orientieren. Auf der Südhalbkugel helfen bekannte Sternmuster und eine aktuelle Himmelskarte, die Gegend des südlichen Himmelspols einzugrenzen.

Diese erste Ausrichtung muss noch nicht genau sein. Sie bringt die Montierung lediglich in die Nähe der richtigen Position, damit die folgenden Höhen- und Seitenkorrekturen leichter gelingen.

3. Höhe passend zum Breitengrad einstellen

Stelle den Höhenwinkel der Stundenachse auf den Breitengrad deines Beobachtungsorts ein. Viele parallaktische Montierungen besitzen dafür eine Skala. Sie liefert eine Ausgangseinstellung, doch die Skala kann je nach Bauart grob sein. Verlasse dich deshalb nicht allein auf den angezeigten Wert.

Verändere die Höhe mit den dafür vorgesehenen Einstellschrauben. Bewege sie in kleinen Schritten und vermeide übermäßige Kraft. Bei manchen Montierungen kann es hilfreich sein, die Achse vor einer Korrektur leicht zu entlasten. Beachte dabei die Konstruktion des Geräts und sichere das Teleskop gegen unbeabsichtigtes Kippen.

4. Polsucher oder andere Orientierungshilfe nutzen

Ein eingebauter Polsucher zeigt ein Sichtfeld mit einer Markierung für den Himmelspol. Richte die Montierung so aus, dass die passende Himmelsreferenz an der vorgesehenen Stelle liegt. Die Anordnung der Markierungen unterscheidet sich zwischen den Bauarten. Lies daher die Hinweise zur jeweiligen Montierung, statt eine bestimmte Polsucher-Anzeige vorauszusetzen.

Der Polarstern steht nicht genau am nördlichen Himmelspol. Bei einer präziseren Ausrichtung muss seine Position relativ zum Pol berücksichtigt werden. Je nach Polsucher kann die korrekte Position anhand von Datum und Uhrzeit bestimmt werden. Entscheidend ist, dass die Markierung der tatsächlichen Orientierung des Polsuchers entspricht und nicht lediglich der Polarstern irgendwo im Sichtfeld erscheint.

Ohne Polsucher kannst du die Ausrichtung zunächst anhand des Polarsterns grob verbessern. Für höhere Genauigkeit ist eine geeignete Sternkarte oder eine andere Methode zur Bestimmung des Himmelspols nötig. Auf der Südhalbkugel gilt dasselbe Grundprinzip, auch wenn die Orientierung nicht auf einem einzelnen auffälligen Polstern beruht.

5. Seitliche Abweichung korrigieren

Verwende die Azimut-Einstellschrauben, um die Stundenachse seitlich zu bewegen. Beobachte dabei die Orientierungshilfe und korrigiere nur die Abweichung in der Richtung, die sie anzeigt. Drehe nicht das Stativ, wenn die Montierung dafür vorgesehene Einstellschrauben besitzt: Das kann die bisherige Höheneinstellung verändern.

Arbeite abwechselnd mit kleinen seitlichen und Höhenkorrekturen. Eine Änderung in einer Richtung kann die andere scheinbar beeinflussen. Wiederhole die Kontrolle, bis die angezeigte Position des Himmelspols mit der vorgesehenen Markierung übereinstimmt.

6. Einstellung sichern und erneut prüfen

Ziehe die Einstellschrauben gleichmäßig und ohne übermäßige Kraft an. Kontrolliere anschließend noch einmal die Polausrichtung. Beim Festziehen kann sich die Montierung leicht verschieben, besonders wenn die Schrauben Spiel haben oder das Stativ nicht stabil steht.

Bewege das Teleskop danach vorsichtig und prüfe, ob Stativ und Montierung ihre Position behalten. Berührt ein Stativbein den Untergrund nicht sicher oder wirkt die Konstruktion instabil, richte sie neu aus, bevor du mit der Beobachtung beginnst.

Wie genau muss die Polausrichtung sein?

Für eine kurze visuelle Beobachtung genügt häufig eine grobe Ausrichtung, sofern das Beobachtungsziel im Sichtfeld bleibt und die Nachführung ausreicht. Je länger ein Objekt verfolgt werden soll, desto stärker können sich kleine Ausrichtungsfehler bemerkbar machen. Auch die gewünschte Vergrößerung und das scheinbare Sichtfeld beeinflussen, wie auffällig eine Abweichung ist.

Für Aufnahmen mit langer Belichtungszeit ist eine genauere Polausrichtung erforderlich. Schon eine geringe Abweichung kann dazu führen, dass Sterne im Bild nicht punktförmig bleiben. Ein Polsucher kann die Genauigkeit verbessern; für besonders präzise Anforderungen kommen weiterführende Ausrichtungsverfahren infrage. Welche Genauigkeit sinnvoll ist, hängt vom Beobachtungsziel und der vorhandenen Ausrüstung ab.

Häufige Fehler beim Einnorden vermeiden

  • Den Polarstern mit dem Himmelspol gleichsetzen: Der Polarstern liegt nahe am nördlichen Himmelspol, aber nicht genau darauf. Bei genauerer Ausrichtung muss der Versatz berücksichtigt werden.
  • Nur die Stativbasis nivellieren: Ein waagerechtes Stativ kann das Einstellen erleichtern, richtet die Stundenachse aber nicht automatisch auf den Himmelspol aus.
  • Die Montierung beim Einstellen verschieben: Ein verrutschtes Stativ verändert die Ausrichtung. Kontrolliere den Stand nach größeren Korrekturen erneut.
  • Zu große Korrekturen machen: Kleine Bewegungen sind leichter zu beurteilen und verringern das Risiko, die richtige Position zu überschreiten.
  • Eine grobe Kompassrichtung als fertige Polausrichtung behandeln: Der Kompass dient nur als erster Anhaltspunkt. Die endgültige Ausrichtung erfolgt anhand des Himmels oder einer geeigneten Orientierungshilfe.

Häufige Fragen zum Einnorden

Kann eine Montierung tagsüber eingenordet werden?

Eine grobe mechanische Ausrichtung anhand des Standorts und einer passenden Skala ist auch ohne sichtbare Sterne möglich. Für eine genaue Orientierung am Himmelspol brauchst du jedoch eine geeignete Methode, die unabhängig von sichtbaren Sternen funktioniert. Richte optische Geräte niemals in die Nähe der Sonne, wenn sie nicht ausdrücklich für sichere Sonnenbeobachtung ausgerüstet sind.

Muss die Montierung nach jeder Beobachtung neu eingenordet werden?

Wenn Stativ und Montierung am selben Platz stehen bleiben und sich nicht verschieben, kann die Ausrichtung erhalten bleiben. Nach dem Transport, einem Umstellen oder einem Stoß solltest du sie erneut prüfen. Auch beim Wechsel des Beobachtungsorts ist eine neue Einstellung nötig, weil die Montierung neu aufgestellt wird und sich auch der Breitengrad ändern kann.

Behebt eine genaue Polausrichtung jeden Nachführfehler?

Nein. Sie richtet die Stundenachse auf den Himmelspol aus, beseitigt aber nicht automatisch andere mögliche Fehler. Dazu können mechanische Ungenauigkeiten, Spiel in der Montierung oder eine unpassende Nachführgeschwindigkeit gehören. Bei sichtbarer Abweichung lohnt es sich daher, neben der Polausrichtung auch Aufbau und Nachführung zu prüfen.

Fazit

Beim Einnorden richtest du die Stundenachse der parallaktischen Montierung parallel zur Erdachse aus. Eine stabile Aufstellung, eine grobe Orientierung nach Norden oder Süden und vorsichtige Höhen- und Seitenkorrekturen bilden den grundlegenden Ablauf. Für genauere Beobachtungen oder Aufnahmen ist eine passende Orientierungshilfe wichtig, denn weder eine waagerechte Stativbasis noch die ungefähre Position des Polarsterns allein garantieren eine präzise Polausrichtung.