Venustransit
Venustransit bezeichnet das astronomische Ereignis, bei dem die Venus als kleines, dunkles Scheibchen vor der Sonnenscheibe vorüberzieht und von der Erde aus sichtbar ist. Er tritt auf, wenn Erde, Venus und Sonne nahezu exakt in einer Linie stehen und die Venus den Knotenpunkt ihrer geneigten Bahn kreuzt.
Venustransits sind außergewöhnlich selten: Sie ereignen sich in einem Muster von Abständen von 8, 121,5, 8 und 105,5 Jahren. In der gesamten Menschheitsgeschichte wurden erst sieben Venustransits beobachtet. Die letzten fanden am 8. Juni 2004 und am 5. Juni 2012 statt; der nächste wird sich erst am 10./11. Dezember 2117 ereignen.
Historisch hatten Venustransits enorme wissenschaftliche Bedeutung. Astronomen des 18. und 19. Jahrhunderts organisierten weltweite Expeditionen, um durch Paralaxenmessungen die Astronomische Einheit zu bestimmen - also den mittleren Abstand zwischen Erde und Sonne. Edmund Halley hatte bereits 1716 das Verfahren beschrieben: Beobachter an verschiedenen Punkten der Erde messen den genauen Zeitpunkt des Ein- und Austritts der Venus, und aus den Unterschieden lässt sich trigonometrisch der Sonnenabstand berechnen. Die Methode lieferte damals die genauesten bekannten Werte für die Astronomische Einheit von etwa 150 Millionen Kilometern.