Retrograde Bewegung
Retrograde Bewegung bezeichnet in der Astronomie zwei verwandte, aber unterschiedliche Phänomene: zum einen die scheinbar rückläufige Wanderung eines Planeten am Himmel, zum anderen die tatsächlich entgegengesetzt zur vorherrschenden Drehrichtung verlaufende Bewegung eines Körpers.
Die scheinbar rückläufige Bewegung der äußeren Planeten - etwa Mars, Jupiter oder Saturn - entsteht, wenn die Erde bei ihrem Umlauf um die Sonne einen langsamer laufenden äußeren Planeten überholt. Beobachtet man einen solchen Planeten über Wochen, scheint er zunächst vorwärts (prograd) durch die Sternbilder zu wandern, dann vorübergehend langsamer zu werden, kurz rückwärts zu laufen und danach wieder vorwärts. Dieser Effekt ist rein perspektivisch und kein realer Richtungswechsel.
Eine tatsächliche retrograde Bewegung liegt vor, wenn ein Körper sich entgegen der üblichen Drehrichtung des Sonnensystems bewegt. Die meisten Planeten umkreisen die Sonne im Gegenuhrzeigersinn (von der Nordeckliptik aus gesehen); eine retrograde Bahn verläuft im Uhrzeigersinn. Manche Kometen und kleine Körper zeigen solche Bahnen. Die Venus rotiert ebenfalls retrograd um ihre eigene Achse.
Im vorheliozentrischen Weltbild des Ptolemäus waren komplizierte Epizykel nötig, um die scheinbare Rückläufigkeit zu erklären. Das heliozentrische Modell lieferte dafür eine einfache geometrische Erklärung.